Loslassen

müssen wir alle mal, aber das fällt manchmal doch schwer.

Wenn die Kids keine mehr sind und sie das Leben da draußen in der weiten Welt endlich leben wollen.

Bei uns ist alles etwas anders, noch wohnt mein erwachsenes Kind bei mir.

Für 4 Tage ist sie nun das allererste mal nicht daheim und ohne uns unterwegs, in einer fremden Großstadt.

Ich finde das gut, das sie sich das traut, denn mit ihrer Epilepsie ist das halt immer nicht so einfach.

Andere Menschen verstehen das ja meistens gar nicht, meinen doch immer das sie endlich alleine leben soll. Ich musste und muss mir auch heute noch immer vieles anhören, von wegen über behüten und verhätscheln. Ganz zu schweigen von Mitarbeitern in Behörden, die ihre Krankheit so darstellen, als wäre es eine ach ist doch nicht so schlimme Krankheit.

Natürlich bin ich sehr sehr froh , das sie versucht in ihr eigenes selbstständiges Leben zu gehen.  Für jeden kleinen Schritt bin ich dankbar und stolz auf sie. Wir ermutigen sie seit dieser blöden Krankheit jeden Tag, ihr Leben zu genießen und es so zu nehmen wie es ist. Sie ist auch eine starke junge Frau geworden. Trotzdem fühlt sie sich noch nicht bereit einen eigenen Haushalt führen zu können. Die Angst vor einem Grand Mal ist einfach  immer gegeben. Sie hat ja auch andere Begleiterscheinungen der Epi. Es ist eben nicht nur der große Anfall, da gibt es noch tausende andere Dinge die ihr das Leben nicht immer einfach machen.

Das Leben vor der Epilepsie ist schon bei uns vergessen, es hat sich alles nach diesem Tag X wo es in ihr Leben getreten ist verändert. Die Angst ist eigentlich immer da, erst wenn sie zu Hause ist, bin ich und auch sie selber erleichtert. Natürlich unterdrückt man diese Gefühle stets, denn sonst würden wir verrückt werden. Ich würde sie auch nie von irgendwelchen Plänen abhalten, ganz im Gegenteil, ich finde das sehr positiv das sie in die Welt geht. Schließlich sind wir  irgendwann nicht mehr da und dann muss sie alleine klar kommen. Wobei ich ihr das schon jetzt zutrauen würde.

Was mich nur immer ärgert sind diese Meinungen anderer Leute und auch selbst in der Familie und bei Freunden… manchmal sage ich dann… ihr könnt das nicht verstehen, wie einem zu Mute ist, wenn man denkt man verliert sein Kind, weil es schon blau wird und kaum den Atem spürt.

Oder bei dem Gedanken wenn ein großer Anfall kommt oder Absencen oder andere Aussetzer, die sich nicht  vorher bemerkbar machen, es kann auf der Treppe , auf der Straße … ganz egal wo eben, passieren … und dann braucht sie ganz viele glückliche Umstände, damit es gut ausgeht. Die meisten Epileptiker sterben nicht direkt an ihrer Krankheit, sondern durch die Umstände- also wo es passiert.

Selbst bei *kleineren *Anfällen kann immer was  passieren, wenn sie ein Messer oder Schere in der Hand hat und plötzlich nach vorne kippt… oder ganz normale Alltagstätigkeiten…wenn der Chef was erzählt und plötzlich sagt… Frau X wieso hören sie mir denn nicht zu, weil er denkt das sie träumt… da gibt es so viele Dinge die geschehen und sie kann es nicht beeinflussen…Epilepsie hat so eine Bandbreite von verschiedenen Symptomen …

Sie selber weiß das auch  und hat sich damit arrangiert so gut es eben geht, sie will ihr Leben meistern und das hat sie auch bis jetzt gut hinbekommen. Sie hat eine abgeschlossene Ausbildung und einen Fachschulabschluss. Leider findet sie keinen festen Job, aber sie gibt nicht auf. Sie hatte schon mehrere Praktika und vielleicht gibt ihr ja mal ein Arbeitgeber eine Chance.

Was uns eben nervt ist das Andere immer besser wissen wollen, was für sie das Beste ist und  das es ja gar nicht so schlimm ist, wenn man Epilepsie hat.

Da kann man ja aufklären was man will, die haben ihre Meinung und wir können das nicht ändern. Nur dann verschont uns bitte immer mit diesen klugen Ratschlägen.

Wenn sie bereit für irgendwelche Veränderungen ist, dann wird sie das schon machen.

Früher hatte ich ja schon immer mal über das Thema Epilepsie geschrieben, als sie noch in der Schule war. Das war einfach der Horror , aber wer durchhält und kämpft der wird am Ende mit Sicherheit belohnt. Manchmal habe ich den Eindruck das die meisten Menschen am liebsten gar nichts davon hören wollen, aber das ist verkehrt um so mehr darüber bescheid wissen um so schneller würden Epileptiker nicht immer  aus gegrenzt werden, genau wie Menschen mit anderen Krankheiten! Information ist alles !

Wir haben nun inzwischen 7 Jahre mit dieser Krankheit zu tun, ich sag extra wir, weil das die ganze Familie betrifft. Natürlich ist es für den Erkrankten am Schwersten mit dieser Krankheit zu leben. 

Falls hier jemand liest und sich Rat suchen will dem empfehle ich ein Forum. Dort können Betroffene und Angehörige oder auch nur wenn sich jemand informieren will , nachlesen was es mit dieser Krankheit so alles auf sich hat, mir hat dieses Forum sehr geholfen, da ich ja auch nichts vorher von dieser Krankheit wusste.

 http://forum.epilepsie-netz.de/

Ich freue mich, wenn sie wieder daheim ist und es passiert nichts in der Zwischenzeit ! XXX

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8 Kommentare zu “Loslassen

  1. Liebe TB, ich habe oft an dich und deine Tochter gedacht.
    Wie schön, dass sie den Mut hat, für ganze 4 Tage wegzufahren.
    Klar ist deine Sorge groß, das verstehe ich.
    Und dass sie endlich eine Stelle bekommt, dafür drücke ich alle Daumen.
    Du weißt ja, ich habe/hatte Petit Mal, also nicht ganz so schlimm und nur morgens.
    Zum Glück habe ich inzwischen keine Probleme mehr, hat sich hoffentlich ausgewachsen. Medikamente konnte ich auch absetzen, nehme seit gut 10 Jahren nichts mehr ein.
    Das wäre für deine Tochter erst einmal unvorstellbar, ich weiß.
    ich umarme dich ganz lieb
    Bärbel

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  2. Ich stelle es mir für sorgende und auch besorgte Eltern schlimm vor, immer oder zumindest immer unterschwellig um das Kind Angst haben zu müssen, vollkommen egal, in welchem Alter das Kind ist. – In wenigen Situationen bin ich ja gläubig, aber an so etwas wie Vorsehung glaube ich – die Länge unseres Lebens und auch unser Schicksal ist eben so etwas wie Schicksal, wir können nur versuchen, dem Schicksal nicht negativ reinzupfuschen und zu viele Fehler zu machen. – Ich drücke deiner Tochter wirklich die Daumen, dass sie nicht nur die vier Tage Abwesenheit gut meistert, sondern, dass sie einen Arbeitsplatz findet, wo die wichtigsten Personen über ihre Krankheit Bescheid wissen, damit sie nicht blöd angemacht wird, sondern hilfreich unterstützt wird.

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  3. Ich wünsche Dir und Deiner Familie jede Menge Kraft, Tag für Tag gegen diese scheußliche Krankheit anzukämpfen.
    Es ist für mich nur sehr schwer vorstellbar, wie das Leben mit dieser Krankheit ist, aber ich danke Dir für diese Aufklärung darüber.

    G. l. G. Jochen

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  4. Du hast die richtige Einstellung zu der Krankheit deiner Tochter. Lass dich von anderen Leuten nicht verrückt machen. Meist sind es Besserwisser, die gar nicht von der Krankheit betroffen sind und so auch gar nicht mitreden können. Ich wünsche dir jedenfalls das du wieter hin die Kraft hast für deine Tochter da zu sein. Euch einen schönen Sonntag. L.G.

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  5. Obwohl ich keine Mutter (nur Hunde“mama“ 🙂 ) bin und mich auch nicht mit dieser Krankheit auskenne, kann ich sehr wohl verstehen, dass du dir ständig Sorgen machst. Das wird auch immer so bleiben. Ehrlich gesagt kann ich nicht verstehen, dass das jemand nicht verstehen kann.

    Ich weiß nicht, wie alt deine Tochter ist, aber es geht andere gar nichts an, wie lange sie bei euch wohnt. Sie wird dann gehen, wenn sie dazu bereit ist, sich vielleicht etwas sicherer fühlt. Und solch eine Reise, wenn alles gut klappt, kann dazu beitragen. Ist ein Anfang, finde ich.

    Lass dich nicht beirren. ♥

    Liebe Grüße,
    Martina

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  6. Ich habe mich schon früher mal über diese Krankheit informiert, in unserer Verwandtschaft leidet auch ein junges Mädchen an Epilepsie. Es ist keinesfalls einfach, damit umzugehen. Gerade für die Eltern wird es auch immer ein Bestandteil ihres Lebens sein, denn eigene Kinder bleiben immer Kinder, egal wie erwachsen sie schon sind, und gerade als Mutter macht man sich lieber einmal zu viele Sorgen, ob wohl alles gut geht. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass oftmals genau jene Menschen Ratschläge geben und immer alles besser wissen wollen, die selber nicht mal betroffen sind bzw. keinen Angehörigen haben, der diese Krankheit hat. Das ist auch so wenn es um Fragen der Kindererziehung geht, da wissen Nichteltern meist mehr als die Eltern selber (ich hoffe, ich habe mich nicht missverständlich ausgedrückt)
    Ich bewundere deine und die Kraft deiner Tochter, trotz dieser Krankheit ein fast normales Leben zu führen. Zusammenhalt ist eben alles. Irgendwann wird deine Tochter den Schritt wagen und auf eigenen Beinen stehen, dann könnt ihr beiden stolz auf euch sein…..dann habt ihr es geschafft 

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